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„…sonst kommt der zum Schlachter!“

03 Apr

Als Tierfreunde, insbesondere als Pferdefreunde, sind wir immer wieder und wieder damit konfrontiert: Dringende Hilferufe für Pferde die unbedingt vermittelt werden müssen, meist mit dem Zusatz „Sonst kommt der zum Schlachter!“

Natürlich springen prompt all unsere Helferinstinkte an und wir würden am liebsten alle Vierbeiner in unsere Obhut nehmen um sie zu schützen.

Aber: Oftmals wird genau darauf spekuliert. Oft genug hört und liest man von Händlern (aber auch Privatpersonen), die besonders tierlieben Kaufinteressenten vorzugsweise Tiere in einem desolaten Zustand zu horrenden Preisen anbieten. Und die herzensguten Leutchen kaufen das Tier frei. Müssen wir hier erwähnen, dass man dort lieber das Veterinäramt hinschicken sollte? Sicherheitshalber sei das hiermit getan.
Warum? Wenn wir ein Pferd freikaufen, dann haben wir einem geholfen. Aber nicht den zahllosen anderen, die vielleicht noch unter skrupellosen Geschäftemachern leiden müssen.

„Aber wenn der doch sonst zum Schlachter kommt?“

Das ist gar nicht immer so leicht möglich ist, wie man hilfsbereite Tierfreunde glauben machen möchte.

Das deutsche Tierschutzgesetz besagt, dass niemand einem Tier „ohne vernüftigen Grund“ Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Zugegebener Maßen wird die Tötung von Nutztieren zur Nahrungsgewinnung nach deutscher Rechtssprechung als vernünftiger Grund angesehen (die ethische Betrachtung dessen lassen wir hier bewusst beiseite), ABER:

Nicht jedes Pferd gilt als Nutztier!

Ein Pferd darf nur dann ohne vorliegen gesundheitlicher Gründe geschlachtet werden, wenn es im Equidenpass als „zur Schlachtung bestimmt“ eingetragen ist.

Steht im Equidenpass das nicht rückgängig zu machende „nicht zur Schlachtung bestimmt“, so gilt das Pferd nicht mehr als Nutztier , sondern als „companion animal“ (vergleichbar mit Hund und Katze).
Damit darf es nicht ohne vorliegen entsprechender medizinischer Gründe getötet werden. Jeder, der ein solches Pferd also ohne entsprechenden Grund töten lässt, macht sich strafbar.  (Kleine Info am Rande: Das gilt übrigens auch, wenn man einem Tier aus finanziellen Gründen medizinische Behandlung verweigert.)

Es empfiehlt sich also, erst einmal einen Blick in den Equidenpass des Vierbeiners zu werfen, bevor man sich auf Mitleidskäufe einlässt, nur weil Lieschen Müller plötzlich keine Lust mehr auf ihr Pony hat…

M.H.

 

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3 Kommentare

Geschrieben in Pferdeglück

 
  1. feigel richard

    4 April, 2013 at 09:04

    ein guter bericht zu einem heiklen thema. leider ist immer da wo es um geld geht die moral aussen vor. der bericht öffnet hoffentlich ein paar menschen die augen…

     
    • Sylvia Behrens

      2 September, 2013 at 13:48

      Es ist ein heikles Thema. Aber was macht man, wenn man sein geliebtes Pferd schon 25 Jahre besitzt und nicht mehr in der Lage ist, für teure Tierarztrechnungen oder gar den Unterhalt aufzukommen, weil man ohne Eigenverschulden in Hartz IV gerutscht ist? Das hat nichts mit Moral zu tun, sondern damit dass es nicht mehr geht.

       
      • Tess

        2 September, 2013 at 19:43

        Dann kann man das Pferd ja auch immer noch gegen Schutzgebühr in Gute Hände geben.Hier geht’s um Leute die angebliche Notfallpferde für Unsummen verkaufen…